Nach dem IGA-Aus: IBA Bodensee als Chance Forschungsgruppe Bodenseestadt schlägt Alternative vor
Ein Jetzt erst recht und nicht ein allgemeines Lamento kennzeichnet die öffentliche Reaktion auf das Aus für die IGA. Dies ist nicht selbstverständlich. Es zeigt, dass in der Region eine belastbare Grundstimmung zur konstruktiven Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden vorhanden ist, die man getrost als Jahrhundertchance verstehen kann. Dieser Wille, die Geschicke der Stadtregion am See gemeinsam in die Hand zu nehmen, und durch strukturelle Eingriffe zu steuern war ja auch mit verantwortlich für die Bewerbung zur IGA.
Noch ist also diese Energie nicht verloren. Schon werden Rufe nach guten Alternativen laut. Die Forschungsgruppe Bodenseestadt der HTWG Konstanz ist der Auffassung, dass eine Internationale Bauausstellung (IBA) am Bodensee den idealen Rahmen für eine solche Alternative bieten könnte. Angelegt als Prozess über einen Zeitraum von zehn Jahren, könnte sich eine IBA tatsächlich zum Motor für eine dauerhafte Vernetzung der Region entwickeln, die dann auch notwendige Infrastrukturmaßnahmen wie signifikante Verbesserungen im regionalen Schieneverkehr anzugehen vermag.
In der 2006 erschienenen Publikation Beyond Metropolis verglich die Forschungsgruppe Organisationsstrukturen von Gartenbauausstellungen und Bauausstellungen miteinander. Dabei hat sich gezeigt, dass man mit dem Instrument einer IBA weitaus flexibler auf spezifische Konstellationen und Probleme reagieren kann. Die Organisationsstrukturen einer IBA unterscheiden sich von Fall zu Fall und können auf die jeweiligen Konstellationen und Akteure hin maßgeschneidert werden.
Wie etwa die Beispiele der IBA Fürst-Pückler-Land oder Emscherpark zeigen, ist gerade auch eine Bauausstellung für nachhaltige Interventionen in den Bereichen Landschaftsplanung und -gestaltung geeignet. Im Rahmen einer IBA lassen sich zudem Fördergelder über diverse Programme der Europäischen Union, der Bundes- und Landesregierungen akquirieren. Beyond Metropolis diskutiert unter anderem auch erste denkbare thematische Ansätze einer IBA Bodensee, wenngleich dies hier noch unter dem Vorzeichen einer möglichen Ergänzung zur IGA 2017 geschieht.
Eine IBA Bodensee würde zum jetzigen Zeitpunkt den bestmöglichen Rahmen bieten, die konstruktive Atmosphäre in der Region auf ein neues Ziel zu lenken und die bisherigen Planungen nicht in marginale Einzelaktivitäten der Kommunen zerfallen zu lassen.